Freitag, 16. Dezember 2011

8 - Grundsatzentscheidungen

Um in sieben Jahren eine Million Euro zu erschaffen, muss man sich einen geeigneten Plan zurechtlegen. Um einen Plan zu erstellen, musste ich einige grundsätzliche Überlegungen anstellen. Es gibt 4 grundsätzliche Kategorien, Geld zu verdienen, und zwar als: Angestellter, Selbständiger, Unternehmer, Investor. Manche ergänzen diese Kategorien noch um eine 5.: den Experten.



Grundsätzlich glaube ich auch, dass man als Experte eine sehr gute Chance hat, viel Geld zu verdienen. Aber erstens bin ich kein Experte, ich bin seit jeher eigentlich Generalist und zweitens gibt es für jeden Furz einen Experten, dass ich das Wort "Experte" genausowenig mehr hören kann wie das Wort "alternativlos" (aber das ist wieder eine andere Geschichte). 

Warum denke ich so? Wenn ich von mir behaupte, dass ich Experte für irgendwas bin, heisst das noch lange nicht, dass ich Experte bin. Experte bin ich nur, wenn alle Anderen behaupten, dass ich einer wäre. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Schauen wir uns die Kategorien mal kurz durch und zwar im Hinblick drauf, in sieben Jahren soviel Geld zu verdienen, dass man damit Millionär werden könnte:

Als Angestellter kann man eigentlich nur reich werden, wenn man im Lotto gewinnt oder erbt. Oder als Bankangestellter (aber darüber wollen wir hier jetzt auch nicht philosophieren). Scheidet für mich ohnehin aus, war ich eh lange genug, wollte ich nur der Form halber nicht auslassen.

Als Selbstständiger ist man bereits Unternehmer, aber halt alleine. Man kann aber ohne weiteres arbeiten und agieren wie ein wirklicher Unternehmer. Kooperationen sind hier das Stichwort. Ich kann mir alles was ich ausserhalb meines Kerngeschäftes brauche, zukaufen. Das mache ich auch und damit fahre ich sehr gut. Ich kann mich vollständig auf den Nutzengewinn meiner Kunden fokussieren. Und das ist auch das entscheidende, damit ich überhaupt von irgendjemanden Geld für meine Leistungen erhalte.

Als Unternehmer ein System aufzubauen, ist eine absolut reizvolle Sache. Es gibt schon viele Möglichkeiten, seien es Franchisesysteme oder man wird Vertriebs- und Implementierungspartner von einem großen Konzern, wie zB.: Microsoft oder SAP, mit entsprechenden Marketing für dessen Produkte. Was Neues entwickeln und verkaufen hat zwar auch seinen Reiz, scheidet für mich aber aus, weil ich denke, dass der Wert der Firma nach sieben Jahren noch keine Million erreicht haben wird (was leicht auszurechnen wäre an Hand einiger Finanzkennzahlen aus der Bilanz).

Bleibt noch der Investor. Auch mit dieser Kategorie werde ich mich noch intensiv auseinander setzen müssen. Derzeit ist das für die Wette aber noch kein Thema, weil mit Kontostand 0 kann man nicht wirklich toll investieren. Und mit dem Geld anderer Menschen umzugehen, fehlt mir die Erfahrung. Es würde nicht meinen Talenten, Stärken und Kompetenzen, die ich bisher entwickelt habe, entsprechen.

Die erste wesentliche Entscheidung und damit auch eine Änderung meines bisherigen Geschäftsgebahren: ich verkaufe keine Zeit mehr (als Unternehmensberater oder Projektleiter verkauft man Manntage) weil diese einfach zu begrenzt ist, ich verkaufe ausschliesslich Ergebnisse. Ich verlange keine fixen Honorare mehr, sondern lasse mich ausschliesslich erfolgsbezogen bezahlen. Aber ungedeckelt. 

Dass heisst, ein Prozentsatz von einer vorher festgelegten Kennzahl, wie zum Beispiel Umsatz. Je mehr Umsatz ich mache, desto höher wird mein Honorar oder Provision. Umgekehrt gilt es natürlich auch: wenn es mir nicht gelingt Umsatz zu machen, kriege ich nichts und mein Auftraggeber hat keine Fixkosten mit mir und damit ein überschaubares Risiko

Damit habe ich mal eine Steuergröße, mit der ich mein Einkommen aktiv erhöhen kann, ohne jemanden zu fragen (wie zum Beispiel bei einer Gehaltserhöhung) (wie wir dann im weiteren Verlauf sehen werden, habe ich mich in diesem Punkt getäuscht: ich konnte mein Einkommen nicht beliebig mit meiner eigenen Leistung nach oben schrauben, weil ich an die Leistungsgrenzen meines Auftraggebers gelangt bin).

Die zweite grundsätzliche Entscheidung, die ich getroffen habe: keine Abhängigkeiten. Ich möchte mein Risiko klein halten, müsste breiter streuen, was ich als Einzelunternehmer natürlich nur in einem sehr geringen Ausmass realisieren kann. Ich kann nicht für 5 Kunden gleichzeitig arbeiten und bei Jedem meine maximale Leistung bringen. 

Wir wir ebenfalls im weiteren Verlauf noch sehen werden, habe ich meine Strategie dahingehend ausgelegt, mir einen einzigen, hungrigen (heisst: sehr stark wachstumsorientierten) Kunden zu suchen und  um den herum ich mehrere Standbeine aufzubauen, die sich gegenseitig wieder auch zum Vorteil meines einzigen Kunden auswirkten. Das Risiko, nur einen einzigen Kunden zu haben, muss ich mit einem entsprechenden Vertrag begrenzen, oder noch besser ausschalten.

Die dritte grundsätzliche und folgenschwerste Entscheidung war, dass ich mich ausschliesslich als Verkäufer betätigte. Folgenschwer deshalb, weil ich vorher noch nie als reiner Verkäufer gearbeitet habe und deshalb gar keine Erfahrungen oder gar Referenzen vorweisen konnte. Meine Überlegung war, wenn ich ohnehin rein auf Erfolgsbasis honoriert werde, werde ich schon jemanden finden, der sich darauf einlässt. Ich meine, wozu ist einer meiner engsten Mitarbeiter das Universum?

Apropos Mitarbeiter: ich weiss es gar nicht mehr genau, aber so an die knapp 20 Jahre war ich Führungskraft, Vorgesetzter, Manager, auch Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens mit Mitarbeiterverantwortung. Und deshalb weiss ich eines ganz genau: alles was ich nicht brauche, sind angestellte Mitarbeiter. Das was ich brauche, sind geniale Kooperationspartner / Geschäftspartner, die sich gegenseitig und auf gleicher Augenhöhe ergänzen und echten Mehrwert für den Kunden schaffen (allein über dieses Thema könnte man einen ganzen Blog füllen, bloss: wer würde das schon lesen wollen :-) )

Die vierte grundsätzliche Entscheidung (die eigentlich eh selbstverständlich sein sollte, aber die man häufig aus Angst, kein Geschäft zu machen, ignoriert) ist, sich ausschliesslich auf die eigenen Talente, Stärken und Kompetenzen zu fokussieren und daran zu arbeiten, diese maximal zu steigern. Sich spezialisieren auf einen kleinen Ausschnitt in der Geschäftswelt und hier die maximale Performance bringen. Ein sehr gutes Buch zu diesem Thema, das ich sehr empfehlen kann, ist von Richard Bach, Die Möwe Jonathan. Wer das gelesen hat, weiss, wovon ich spreche.

Langsam werden die aufmerksamen Leser merken, dass erolfgREICH werden, harte Arbeit ist. Es wird einem nichts geschenkt. Harte Arbeit, ständiges Lernen, aus der Komfortzone treten, Entscheidungen treffen. Geschenkt wird einem nichts. Schon gar nicht als Selbständigen. Jeder verdient soviel, wie er wirklich wert ist. Das ist das sofortige Feedback des Marktes. 

Aber: Jeder der es schafft, im Spiel zu bleiben, erhält zusätzlich noch etwas viel Wertvolleres, ja eigentlich Unbezahlbares: man entwickelt alle Fähigkeiten, die es braucht um jederzeit das Spiel wieder zu gewinnen, auch wenn man neu startet. Und daran glaube ich. Mit aller Kraft zu der ich fähig bin.

Ich gehe mit diesen Entscheidungen ein ziemliches Risiko ein. Diesmal muss ich meinem Universum vertrauen, dass es funktioniert, weil ich kann auf nichts Vergleichbares zurückgreifen um zu wissen, dass ich es schaffe. Ich muss es schaffen, sonst bleibe ich schon im Startloch hängen und habe meine Wette verloren, bevor ich noch begonnen habe. 

Ein kleiner Anflug von Panik erfasst mich grade ein bisschen. Ich schliesse meine Augen, sehe die Bühne, lasse den Vorhang auf die Seite gleiten und schalte Spot für Spot ein, bis die Bühne meiner zukünftigen Erfolge in hellem Licht erstrahlt. Ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit überkommt mich. Ich schaffe es. Kein Zweifel bleibt übrig.

Jetzt wäre eine Montecristo A genau das Richtige und dazu ein Glaserl Traminer mit einer kleinen Restsüsse. Ja, auch Entscheidungen treffen und diese kraftvoll umsetzen sind ein Teilerfolg. Den muss ich jetzt geniessen...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen